Stadt Wallenfels Stadt Wallenfels
Blick von Dörnach.jpg
Wallenfels von oben
Natur im Herbstmantel
Schleuse an der Wilden Rodach
Blick vom Allerswald
Sonnenuntergang auf den Höhen von Wallenfels
NaturErlebnis Leutnitztal
Ortsteil Dörnach
In der Abendsonne.jpg
Schloßbergkapelle im Frühling
Auf dem Geopfad - Blick vom Silberberg
Goldener Herbst
Herbstimpressionen
Silberbergweg - Blick auf Wallenfels
Wandern am Flößerweg
Wehrdurchfahrt auf der Wilden Rodach
Flurumgang in Wallenfels
Hammermühle
Lamitzblick
Floßlände
Abmeldung

Ansprache von Bürgermeister Jens Korn zum Volkstrauertag

16.11.2020 Auch 75 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges - Opfer und Gefallene sind nicht vergessen.

Lieber Pater Jan,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wie so vieles in diesem Jahr ist auch unser Gedenken am Volkstrauertag außergewöhnlich. Wir ziehen nicht gemeinsam mit den Vereinen zum Kriegerdenkmal, es wird keine Kranzniederlegung mit Gebet und dem „Guten Kameraden“ geben. Ich bin Ihnen, lieber Pater Jan, sehr dankbar, dass ich dennoch hier im Rahmen des Gottesdienstes einige Worte des Gedenkens sprechen darf. Gleichzeitig freue ich mich, dass ich an die Worte Ihrer Predigt anknüpfen kann.

Ja, es ist richtig: Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, die viele als große Belastung empfinden. Die Einschränkungen im Zuge der Pandemie verlangen uns ja auch einiges ab. Wir mussten und wir müssen in diesem Jahr auf viel verzichten. Auch auf einiges, was uns sehr lieb und sehr teuer ist. Wann gab es das schon: Ein Jahr ohne die Osterliturgie, ohne Fronleichnam, ohne unsere Kerwa?

Wann gab es so etwas schon einmal? Im Krieg, wird mancher von ihnen jetzt denken. Und tatsächlich: Es gibt – gerade in der öffentlichen Debatte –zahlreiche Stimmen, die im Zusammenhang mit der Pandemie das Wort „Krieg“ in den Mund nehmen. Und natürlich liegt der Begriff Krieg angesichts von von über einer Million Corona-Toten weltweit auch nahe. 

Doch heute gedenken wir am Volkstrauertag der Opfer, die in tatsächlichen Kriegen ihr Leben ließen, der Soldaten genauso wie der Zivilisten. Wir gedenken derer, die elend in den Schützengräben der beiden Weltkriege verreckt, die im Bombenhagel unter Schuttbergen erstickt, die auf der Flucht schlichtweg an Erschöpfung gestorben sind oder die, aufgrund ihrer Herkunft, Religion und Überzeugung umgebracht wurden. Sie waren Opfer des Krieges und der Tyrannei. Und so sehr das Virus unsere Gesellschaft aktuell in Griff genommen hat, so ist doch das, was wir erleben, kein Krieg. Schon aus Respekt vor den Opfern der bewaffneten Konflikte im 20. Jahrhundert sollten wir den Begriff nicht zu leichtfertig benutzen.

Auch wenn wir aktuell keinen Krieg führen, habe ich doch die Befürchtung, dass Corona eine Gefahr für den Frieden, zunächst einmal unseren inneren Frieden, werden kann. Dieser innere Friede ist vor fünf Jahren aus dem Gleichgewicht geraten. Die Stimmung in unserem Land ist seit der Flüchtlingskrise 2015 angespannt. Unsere Gesellschaft steht in einer Art von „Dauerstress“. Jedenfalls kann man dieses Gefühl gewinnen, wenn man politische Debatten verfolgt. Und damit meine ich nicht nur die Debatten im Bundestag oder in den Fernsehtalkshows, sondern gerade auch die Diskussionen und Gespräche im Privaten, am Arbeitslatz genauso wie am Stammtisch. Während man früher vielleicht einfach unterschiedlicher Meinung war, es ausdiskutierte und es dann mit einem „nix für ungut“ hat bewenden lassen, werden Auseinandersetzungen heute immer unerbittlicher geführt.

2015 verliefen die „Frontlinien“ zwischen denjenigen, die Flüchtlinge willkommen hießen und denjenigen, die die Grenzen dichtmachen wollten, weil Sie eine Überfremdung befürchteten. Heute, fünf Jahre später, gibt es wieder eine Polarisierung in der Gesellschaft: Diesmal zwischen jenen, die mit den Maßnahmen des Staates gegen die Ausbreitung des Virus einverstanden sind und anderen, die der Ansicht sind, dass der Staat ihnen die Freiheit raubt und die Maßnahmen völlig überzogen sind.

Und auch diesmal sind die Gräben tief, der Ton ist mindestens genauso rau. Es werden kaum Argumente ausgetauscht, sondern teilweise nur noch Beschimpfungen. Um das zu erleben, muss man nicht mehr an den Stammtisch oder auf die Straße. Das lässt sich bequem vom Sofa aus über die sogenannten sozialen Netzwerke verfolgen. Dort schmeißen sich Mitbürgerinnen und Mitbürger gegenseitig Schimpfwörter an den Kopf.

Aber nicht nur auf Facebook oder Twitter werden Konflikte ausgetragen, sondern zunehmend auch auf unseren Straßen. Die sogenannte Querdenker-Demonstration in Leipzig am vergangenen Wochenende ist in Randale und Ausschreitungen gegen die Polizei ausgeartet. Was dort geschah, scheint im Trend zu liegen. Denn bereits seit vielen Jahren beklagen Polizeigewerkschaften, dass die Gewalt gegen ihre Kollegen zunimmt.

Auch Vertreter des öffentlichen Lebens werden immer häufiger Zielscheibe von Angriffen, auch wenn diese zunächst nur verbal sein mögen. Ministerpräsident Markus Söder hat vor kurzem bei einer Rede schockierende Passagen aus Zuschriften an ihn zitiert. Von „Du müsstest am nächsten Baum aufgehängt werden“, bis hin zur Bezeichnung als „Volksmörder und Kinderschänder“.

Von solchen Beleidigungen und Drohungen ist es nur ein kurzer Weg bis hin zur Tat: Im Jahr der Flüchtlingskrise wurde die heutige Kölner Oberbürgermeisterin mit einem Messer angegriffen und fast umgebracht, sie lag mehrere Tage im Koma. Der Regierungspräsident von Kassel fiel 2019 dem feigen Attentat eines Neonazis zum Opfer. Und auch im Kleinen – ohne das die Presse Notiz nimmt – werden Kommunalpolitiker bedroht oder gewaltsam attackiert.

Politisch oder ideologisch motivierte Gewalt in unserer Gesellschaft trifft aber nicht nur Politiker und Vertreter des öffentlichen Lebens, sondern auch ganz normale Bürger: Die jüngsten islamistischen Anschläge in Dresden und Wien oder die antisemitisch motivierten Morde von Halle sind Beispiele dafür.

Gewalt schürt Angst, Angst kann wiederum in Gewalt umschlagen. Wir haben das in Deutschland bereits einmal erlebt: Während der Weimarer Republik war Gewalt ein gängiges Mittel der Politik. Rechte schlugen auf Linke ein und umgekehrt, die Mitte wurde in diesem Konflikt zerrieben. Und die Gewalt hinterließ nicht nur körperliche sondern auch seelische Spuren: Denn wer in einer Gesellschaft lebt, in der Gewalt normal ist, der ist selbst auch eher zur Gewalt bereit.

Die Frucht der Gewalt während der Weimarer Jahre und des anschließenden Dritten Reiches war der größte Gewaltexzess, den die Menschheit je erlebt hat: Der Zweite Weltkrieg mit seinen 60 Millionen Toten. Sie mahnen uns heute zum Frieden und sie mahnen uns eben nicht nur zum Frieden nach außen, sondern zum Frieden nach innen. Ein Friede, für den nicht nur die Politiker, sondern jeder einzelne von uns zuständig ist.

Es sind keine „Heldentaten“, die von uns gefordert sind, um den inneren Frieden zu erhalten. Es sind kleine Dinge, eigentlich Selbstverständlichkeiten:

-         einander zu respektieren

-         andere Meinungen zu akzeptieren

-         miteinander und nicht übereinander zu reden

-         und vor allem: Im anderen nicht in erster Linie den politischen Gegner, den Andersdenken, den Andersgläubigen, sondern vor allem den Menschen, den Mitmenschen zu sehen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

nur eine Gesellschaft, die in Frieden miteinander lebt, kann auch nach außen Frieden stiften. Unser Land lebt nun seit dem Ende des Krieges, also seit 75 Jahren, in Frieden, im inneren wie im äußeren. Wozu dieser Friede in der Lage ist, können wir heute in Berlin sehen. Um 13:30 Uhr wird Prinz Charles im Deutschen Bundestag bei der Zentralen Gedenkfeier des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge die Hauptrede halten. Er repräsentiert ein Land, gegen das unsere Groß- und Urgroßväter gekämpft haben. Heute können wir, weil der Friede uns zusammengeführt hat, gemeinsam, um die trauern, die damals auf beiden Seiten als Gegner ihr Leben lassen mussten.

Lassen Sie uns gemeinsam diesen Frieden bewahren, hier bei uns und in der Welt. Lassen Sie uns, ganz im Sinne der Predigt von Pater Jan, unsere Talente für diesen Frieden einsetzen.

In diesem Sinne möchte ich das Totengedenken vortragen und werde später gemeinsam mit Zweitem Bürgermeister Sven Hofmann und Drittem Bürgermeister Andreas Buckreus ohne die gewohnte Feierstunde einen Kranz niederlegen.  

 

Wir denken heute an die Opfer von  Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken der Soldaten, die in den  Weltkriegen starben, der Menschen, die  durch Kriegshandlungen oder danach in  Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden,  weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind. Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.

Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und  Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.